Kellerloch

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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

Von Dostojewskij. Mit Jannek Petri und Mona Petri.

FREITAG, 13. JANUAR 2012, 20.00 UHR Vorstellung fällt aus.

Regie: Christoph Leimbacher. fabriggli im Kellerloch.

«Ich bin ein kranker Mensch. Ich bin ein böser Mensch. Ein abstossender Mensch bin ich.» Der Erzähler, ein etwa vierzig jähriger Beamter, hat seinen Dienst quittiert und lebt fortan in einer Kellerwohnung am Rande von St. Petersburg, am Rande der Hauptstadt und am Rande der Gesellschaft. Dort vergräbt er sich in Isolation und Selbstreflexion. Er wühlt in seinen Gedanken, urteilt über die Gesellschaft jenseits des Kellerlochs. Er ist überreizt und menschenscheu, boshaft und überheblich, einsam und eitel. Er lässt kein gutes Haar an den anderen und schon gar nicht an sich selbst. Er verstrickt sich in seine Analysen, Anekdoten und Phantasien und evoziert beim Zuschauer die Bilder seiner Erinnerungen. Bis sie plötzlich dasteht, Lisa.

Die aufrichtigste Darstellung der Unaufrichtigkeit, die wahrheitsgetreueste Studie der Unwahrhaftigkeit mit sich selbst nannte Svetlana Geier die «Aufzeichnungen aus dem Kellerloch». Sie sind die provokative Beichte eines Einzelgängers und eine schonungslose Demaskierung des Selbstbetrugs. Die Erzählfigur wird von allen Seiten beleuchtet und durchleuchtet und bis in die kleinste Gedankenregung durchforscht. Die Aufzeichnungen gelten als Schlüsselwerk für das Schaffen Dostojewskijs, als Übergangswerk zu seinen grossen Romanen. Er verfasste sie nach seiner Verurteilung zum Tode, nach der Verbannung nach Sibirien und in einer der tiefsten Krisen seines Lebens: 1864 verstarben in kurzer Folge seine Frau, sein Bruder und ein guter Freund.

«Länger als, sagen wir, vierzig Jahre zu leben, ist unanständig und trivial. Wer lebt denn noch über vierzig Jahre? Ich kann Ihnen sagen, wer über vierzig Jahre lebt: Dummköpfe und Spitzbuben. Ich will das allen Greisen ins Gesicht sagen, all diesen silberhaarigen, parfümierten Greisen! Ich sage es der ganzen Welt ins Gesicht, ich habe das Recht so zu sprechen, weil ich selbst bis sechzig leben werde! Bis siebzig werde ich leben! Bis achtzig werde ich leben!»

Eintritt: Fr. 25.-- (erm. 15.--)