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Laudatio Buchser Kulturpreis


Anlässlich der Verleihung des Buchser Kulturpreises

an das «werdenberger kleintheater fabriggli» am 26. November 2004

Ein Sprichwort sagt, dass man den Wert einer Sache erst dann erkenne, wenn man sich deren Fehlen oder deren Verlust vorstelle. Wenn es unseren dritten Preisträger dieses ersten Buchser Kulturpreises nicht geben würde, würde das kulturelle Leben in unserer Gemeinde wahrlich um ein vielfaches ärmer sein! Was wäre das Buchser, ja das Kulturleben der ganzen Region ohne «unser» fabriggli?

Das fabriggli vorstellen, hiesse «Wasser in den Rhein» zu tragen: wer kennt es nicht? Das ursprünglich als Stickereilokal gebaute Haus etwas abseits an der Schulhausstrasse hat in den letzten Jahren verschiedene Male sein Aussehen verändert und erstrahlt seit zwei Jahren in neuem Glanz.

Seit über 20 Jahren ist das fabriggli so etwas wie die «Pièce de résistance» des Buchser Kulturlebens und zwar mit einem so breit gefächerten Spektrum, dass für alle Alters- und Interessengrupppen etwas geboten wird. Darüber hinaus ist das fabriggli ein Ort der Begegnung für Jung und Alt geworden und trägt einen nicht unbedeutenden Teil zur Lebensqualität unserer Gemeinde bei, die ja bekanntlich nicht nur aus einem tiefen Steuerfuss und guten Einkaufsmöglichkeiten bestehen soll.

Was heute als im Kulturleben weit über unsere Region hinaus als etablierte Institution bezeichnet werden darf, ist dem Engagement, der Freude und dem Enthusiasmus einer kleinen Gruppe von Idealistinnen und Idealisten und deren Bereitschaft zu verdanken, viele tausend Arbeitsstunden und somit die gesamte Freizeit für ihr Projekt «fabriggli» einzusetzen.

Schon bei der Gründung des Vereins «fabriggli» im Jahr 1979 war es Absicht des Gründerkollektivs, nebst Theater- und Konzertaufführungen auch Ausstellungen, Diskussionen, Kinderanlässe, Tanzveranstaltungen und vieles mehr durchzuführen und das fabriggli zu einem eigentlichen Kulturzentrum für Jung und Alt zu machen. In den Statuten von damals ist denn auch die heute noch gültige Grundidee fest gehalten:

«… das Kulturleben in der Region Werdenberg vor allem auf dem Gebiet des Theaters, des Kunsthandwerks, des Films, der Musik und der Literatur zu fördern. Im Vordergrund steht dabei das Bestreben, der Bevölkerung jeglichen Alters Gelegenheit und Impulse zu eigener kultureller und kreativer Betätigung zu geben.»

Dieser hochgesteckten, idealistischen Zielsetzung ist das fabriggli seit über 20 Jahren treu geblieben und man kann  sagen, dass diese anspruchsvolle Vorgabe voll und ganz erreicht worden ist.

Hinter dieser Erfolgsgeschichte steht nun aber nicht ein finanzkräftiger Mäzen oder ein hochdotierter Verwaltungsrat mit entsprechendem Honorar – wir wissen es: ein Team von Freiwilligen, von Idealistinnen und Idealisten, die an ihr «fabriggli» geglaubt haben, die bereit waren, ihre ganze Energie, ihre Freizeit und vielleicht auch ein grosses Stück des Privatlebens zu opfern. Ob als Bauarbeiterin oder Elektriker, als Maler oder Köchin, an der Kasse, im Hausdienst oder Sekretariat: immer wieder fanden sich Freiwillige, die mit Herzblut dabei waren oder es immer noch sind. Das heute etwa 30 Personen umfassende Team unter der Leitung von Hedy Sutter und Peter Eggenberger ist das lebendige Beispiel dafür, was Freiwilligenarbeit in bestem Sinne zustande bringt. Idealismus, Einsatz und Durchhaltewillen auch in schwierigen Phasen, ungezählte Frondienststunden haben aus einer Vision eine Realität geschaffen, die der ganzen Region zugute kommt. Seit bald 25 Jahren hat das fabriggli dank dem unermüdlichen Einsatz seines Teams beständig und innovativ sich seinen Platz in der Ostschweizer Theaterlandschaft behaupten können.

Für uns heisst das, Jahr für Jahr in den Genuss eines qualitativ hochstehenden, abwechslungsreichen Programms mit bekannten und (noch nicht) so bekannten Künstlerinnen und Künstlern aus der Theater- und Musikszene zu kommen – seien es Gastspiele oder eine Eigenproduktion, Ausstellungen der verschiedensten Art besuchen zu können oder sich selber aktiv in einem der angebotenen Kurse künstlerisch zu betätigen. Selbst der Sommer ist keine «tote Saison»: der fabriggli-summer bietet im Juli und August jeweils zwei Mal pro Woche nicht nur kulturelle, sondern auch kulinarische Leckerbissen aus der fabriggli-Beizli–  Küche, und das fabriggli-fescht hat sowieso seinen festen Platz in der Buchser Kultur-Agenda. Über 100 verschiedene Anlässe finden jährlich im fabriggli statt. Jahr für Jahr wird hier eine Arbeit geleistet, die «nie fertig ist», deren Hauptaufwand im Verborgenen geschieht: der Theaterbesucher freut sich über das Gebotene, geniesst im gemütlichen Beizli – und kann nur ahnen, wie viel gewissermassen hinter den Kulissen geleistet werden muss, damit er zu seinem genussvollen Theatererlebnis kommt. Wenn der Vorhang fällt, wird bereits für die nächste Vorstellung organisiert, Betrieb und Unterhalt müssen stets auf dem aktuellsten Stand sein. Unerbittlich der Zeitdruck: im Sommer muss schon für das nächste Winterhalbjahr und im Winter für die kommende Sommersaison geplant und organisiert werden. Das funktioniert nur, wenn jedes einzelne Teammitglied mit vollem Einsatz sein oder ihr Bestes gibt.

Zusammen mit den Mitgliedern der Kulturkommission freue ich mich ganz besonders, diesen jahrelangen Einsatz hinter den Kulissen heute Abend mit dem ersten Buchser Kulturpreis ehren zu dürfen. Ich kenne keine Institution, auf die unsere Vorgaben für die Verleihung des Preises besser passen würde.

Liebes fabriggli-Team, ganz herzlichen Dank für Euren grossen Einsatz, für Eure vielen vielen Arbeitsstunden und nicht zuletzt für die Kulturerlebnisse, mit denen Ihr unsere Gemeinde und darüber hinaus die ganze Region bereichert.

Idealismus und Begeisterung waren seit den allerersten Anfängen der Schlüssel zum Erfolg. Ich wünsche mir für uns alle, dass der Funke der Begeisterung und des Idealismus weitergetragen wird, so dass auch andere Feuer fangen für die Kultur, fürs Theater, und nicht zuletzt auch für «unser fabriggli», damit auch kommende Generationen den Funken weitertragen.

Im Namen der Kulturkommission und allen Kulturkonsumenten, danke ich allen, die in irgendeiner Weise zur Erfolgsgeschichte «fabriggli» beigetragen haben, allen voran dem fabriggli-Team und seinen beiden Teamleitern Hedy Sutter und Peter Eggenberger.

Darf ich Euch bitten, stellvertretend diesen Preis entgegen zu nehmen?

Buchs, Ende November 04, Maja Suenderhauf